November 2010 – Daniel Werner

Daniel Werner ist seit fünf Jahren die feste Stimme der VOX-Sendung "Das perfekte Dinner". Pfiffige Texte kombiniert mit Daniel Werners Sprechstil machen für Viele den Erfolg der Sendung aus. Im Interview mit sprecher.info erzählt er vom Arbeitsalltag, von enttäuschten Frauen und von seiner Liebe zur Musik.
Beim "StudiVZ" gibt es eine Gruppe mit dem Titel: Der "Das Perfekte Dinner"-Sprecher soll mein Leben kommentieren! Was haben Sie gedacht, als Sie das erfahren haben?
Wenn es ein interessantes, aufregendes, bewegendes Leben wäre, würde ich mich geschmeichelt fühlen.
Wie ist es dazu gekommen, dass Sie mit dem beruflichen Sprechen angefangen haben?
Da ich aus einem Schauspielerhaushalt stamme, kam ich schon früh dazu. Ich glaube, es war die Rolle irgendeines Jugendlichen in irgendeinem Hörspiel einer WDR-Produktion.
Wie kam es dann zum perfekten Dinner?
Durch gelungene Probeaufnahmen, vor fünf Jahren.
Was macht diesen Job für sie aus?
Seit diesen fünf Jahren macht das "Dinner" mehr oder weniger mein berufliches Leben aus. Ich kann sagen, hier ist nicht ein Traum zum Beruf geworden, sondern ein Beruf zum Traum. Günstigere, angenehmere, kreativere Bedingungen bei einer eher kommerziellen Tätigkeit kann ich mir nicht vorstellen. Ich sehe vollkommen, dass diese Produktion damit eine Insel ist, allein auf weiter Flur. Das Team ist das beste aller möglichen Teams, um es mit Leibniz zu sagen. Wir gehen uns fast nie auf den Keks.
Mir kommt es vor, als ob sie ihren Sprechstil in diesen fünf Jahren etwas verändert haben und immer "spielender" wurden…
Das mag sein. Ich hab damals gesagt: Leute, wenn ihr das in diesem üblichen Schrei-Stil gesprochen haben wollt, dann soll das ein Anderer machen, das mag ich nicht. Ich kann mir das anders vorstellen, so durch den Bart gemurmelt, fast zu sich selbst, eben "echt". Und die Produktionsfirma Granada hat mir da die Zügel locker gelassen, ich durfte ausprobieren und immer weiter diesen lakonischen, direkten Ton ausloten. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Und das Schönste: es passt, die Zuschauer mögen es!
Sobald die Werbung anfängt, werden sie deutlich lauter und bekommen auch eine andere Anmutung. Ist das ein Wachruf für die Werbung?
Ja, das sind noch die Reste vom Schrei-Stil. Der Kontrast zum Werbeblock soll halt nicht so stark sei.
Wie sieht ein Produktionstag für sie aus?
Produziert wird meist montags und dienstags, erst drei, dann zwei Folgen. Donnerstags das Promi-Dinner. Am Anfang dauerte die Vertonung einer einzelnen Dinnerfolge schon mal zweieinhalb Stunden, und ich kam auf dem Zahnfleisch aus der Kammer. Inzwischen liegen wir oft unter einer Stunde, und es ist zuweilen ein Jungbrunnen.
Wie viele Sendungen "Das perfekte Dinner" haben sie bisher gesprochen?
Cirka 1150, dazu kommen noch 150 Folgen Promi-Dinner.
In fünf Jahren kann man das vermutlich nicht immer alleine stemmen, oder?
Einen Ersatzsprecher gab es bisher an drei Wochen von 245, wegen Urlaubs, inzwischen wird um den Urlaub herum vertont. Ich bin allerdings auch kein Urlaubsmensch. Zwei Wochen im Herbst reichen mir, zum Leidwesen meiner Familie.
Was hat sich für sie verändert, seit sie die Stimme der Sendung sind? Gibt es seitdem mehr Anfragen, sie als Sprecher zu buchen?
Eher weniger, da ich an zwei bis drei Tagen in der Woche belegt bin, und eine Dauersendung natürlich kategorisiert.
Welche Sprecherjobs mögen sie besonders?
Natürlich würde ich gerne mehr anspruchsvolle Literatur vorlesen, schön sind auch Naturdokumentationen, oder künstlerische Kinofilme. Bei Werbung bin ich ziemlich wählerisch geworden, Fast Food habe ich einmal gemacht, und nie wieder, das passt nicht zum Dinner-Sprecher. Und für Firmen, die mir ethisch gegen den Strich gehen, spreche ich nach Möglichkeit auch nicht.
Gibt es eine nette Anekdote, die sie aus der Produktions-Zeit fürs "Dinner" erzählen können?
Einmal war im Promi-Dinner eine Schauspielerin vertreten, für die ich einst eine Schwäche hatte. Die Versprecherquote stieg rasant, keiner wusste, warum. Ich verrate nicht, wer’s war.
Werden sie im Alltag manchmal an ihrer Stimme erkannt?
Eher nicht. Im Gegenteil, die Leute glauben mir nie, dass ich das bin. Die Frauen sind immer sehr enttäuscht.
Hören sie Fernsehsendungen selbst anders, als früher weil sie sich zum Beispiel denken "das hätte ich anders gemacht"?
Oh ja, schlechte Sprecher sind mir ein Graus. Meine Familie hasst es, wenn ich die Sprechstile kommentiere, wenn es gerade spannend ist.
Sie sind auch politisch engagiert und Mitglied der Grünen…
Ich bin vor einem Jahr angesprochen worden, ob ich nicht für das Parlament in meinem Stadtteil kandidieren wollte. Ich hatte mich sehr über die Bau-Mafia in unserem Städtchen geärgert und sagte ja. Seitdem bin ich Bezirksvertreter. Aber zu erkennen, wie wenig man im politischen Gefüge ändern kann, wie sehr das so genannte Tagesgeschäft das Bauchgefühl totschlägt, ist eine zeitweise sehr deprimierende Erfahrung.
Was macht Daniel Werner eigentlich gerne, wenn er nicht im Studio oder in der Bezirksvertretung ist?
Meine große Liebe gilt der Underground-Musik. Ich habe letztes Jahr ein Plattenlabel gegründet und widme mich meinem Musikprojekt „Wolfram Wire“. Eine erste Single ist Ende letzten Jahres herausgekommen. Ich bin außerdem dabei, ein musikalisches Netzwerk aufzubauen mit befreundeten, hauptsächlich britischen Musikern und Künstlern. Ich habe sogar schon mit meiner Lieblingsband Broadcast aus Birmingham mehrere Sessions eingespielt, und wurde mehrmals im Internet-Radio gespielt. Mein bisher bekanntestes Stück heißt "Armitage Shanks". Es handelt von den in England sehr verbreiteten Urinalen der gleichnamigen Firma.